Ein Netz für Kinder fördert Reimix

Informationen zur Förderung von Reimix

Ein Netz für Kinder ist eine Initiative des Kulturstaatsministers und des Bundesfamilienministerium, mit der sichere Internetangebote für Kinder gefördert werden. Auch Reimix, das Reime-Forum für Kinder, Eltern und Lehrer, wird von Ein Netz für Kinder gefördert.

Lustige Kinderreime in deutscher Sprache

Reimix ist eine Website, auf der Autor Sean Kollak lustige Kinderreime in deutscher Sprache veröffentlicht. Kinder, Eltern und Lehrer können die Kinderreime für den privaten Gebrauch und als Lernmaterial für den Schulunterricht kostenlos runterladen. Die Comics zu den Kinderreimen stammen von unterschiedlichen Illustratoren und wurden honorarfrei zur Verfügung gestellt. Neben Reimen und Comics finden Kinder auf Reimix einfach formulierte Erklärungen in der Reimschule, ein Kinderlexikon zur Erläuterung schwieriger Begriffe und Link-Tipps zu weiteren kindgerechten Internetangeboten, die sich mit Sprache, Reimen und Gedichten befassen.

Buchstaben-Spiel für Leseanfänger

Mit den Fördermitteln, die Reimix Mitte 2010 erhalten hat, sollen im Reime-Forum zusätzliche kindgerechte Multimedia-Inhalte geschaffen werden. Im ersten Schritt wurde ein interaktives Online-Spiel realisiert. Dabei müssen die Spieler einzelne Buchstaben, die an Ballons durch die Luft fliegen, erkennen und für ein Lösungswort sammeln. Das interaktive Spiel fördert die Konzentration und das Erinnerungsvermögen der Kinder und unterstützt diese spielerisch beim Lesen lernen.

Reime zum Zuhören, Anschauen und Vorlesen

Im Rahmen der Förderung durch Ein Netz für Kinder werden zurzeit besonders beliebte Kinderreime als Video- und Audio-Dateien aufbereitet. Damit soll die Barrierefreiheit von Reimix verbessert und Kinder angesprochen werden, die schlecht lesen oder sehen können. Darüber hinaus hält Autor Sean Kollak auch Lesungen für Schulkinder. Die Erfahrung zeigt, dass sich besonders Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren für die lustigen Kinderreime begeistern können.

Medienkompetenz von Kindern fördern

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagt über Ein Netz für Kinder: „Die Schaffung qualitativ hochwertiger Internetangebote ist gerade in unserem digitalen Zeitalter eine unverzichtbare Voraussetzung zur Förderung von Medienkompetenz.“ Auch Reimix will einen Beitrag dazu leisten – und neben der Begeisterung für das Lesen und der Faszination für das Spiel mit der Sprache auch die Medienkompetenz von Kindern fördern. Unter anderem haben Kinder auf Reimix die Möglichkeit, alle Inhalte online zu kommentieren. Die Kommentare werden von Autor Sean Kollak moderiert, um die Sicherheit der Kinder und einen angemessenen Umgangston zu gewährleisten. Darüber hinaus gibt es auf Reimix kindgerechte Comic-Workshops, Tipps zum Reime schreiben und einen Tipps zur Nutzung eines Reimlexikon.

Lustige Kinderreime im Schulunterricht

Links zu Ein Netz für Kinder

  • Informationen zur Förderung guter Kinderangebote
  • Übersicht der geförderten Angebote
  • Informationen zur Kinder-Suchmaschine fragFINN

4 Kommentare zu Ein Netz für Kinder fördert Reimix

  1. Reimix sagt:

    Hi Vanessa,
    meinst du den Artikel oder die Reime im Kommentar?
    Gruß Reimix

  2. Vanessa Kusnejvskei sagt:

    Boah ist das LANG ! :roll: 😕
    Schon zuuuuuuuuuuuuuuuu lang!

  3. Hallo Roman,
    vielen Dank, dass du uns deine Reime geschickt hast. Ich finde sie sehr unterhaltsam. Vielleicht sind Sie an der ein oder anderen Stelle etwas sehr anspruchsvoll, aber „von nichts kommt nichts“, wie man so schön sagt. Dadurch dass alle Reime untereinander aufgelistet sind, empfinde ich es auch ein wenig schwer lesbar. Vielleicht hättest du besser mehrere Kommentare mit je einem Reim gepostet? Hast du deine Reime eigentlich auch auf anderen Websites veröffentlicht oder nur auf deiner eigenen?
    Liebe Grüße Sean

  4. Roman Herberth sagt:

    Mein Name – Roman Herberth,

    geboren 1955, Hobby-Poet und fast 25 Jahre bei der Regierung von Unterfranken (Bayern) beschäftigt.

    Unter anderem habe ich auch die folgenden Reime erstellt.

    Gerne würde ich diese Tierreime jedem kleinen Leser kostenfrei zur Verfügung stellen.

    Auf einer Alm

    Auf einer Alm im satten Grün
    vergnügen sich die Ungeheuer.
    Sie zeigen Horn und Disziplin,
    und jeder kennt die Wiederkäuer.

    Sie dienen oft als Bildmotiv.
    Im Hintergrund die Kletterwände,
    die sind gewaltig und massiv.
    Ein Laie meidet das Gelände.

    Im Mittelpunkt die Sennerin.
    Tagtäglich hat sie ihre Mühe.
    Sie käst und quarkt und macht Gewinn.
    Zur Seite stehen ihr die Kühe.

    Hoch oben auf dem Berg winkt Glück.
    Die ganze Welt liegt ihm zu Füßen.
    Die Kühe – eine Milchfabrik,
    die wir dann unverpackt genießen.

    Die fette Kröte

    Am Weiher hockt die fette Kröte.
    Ihr schießt so vieles durch den Kopf.
    „Im Endeffekt bin ich die Blöde,
    mir winkt kein Blumenübertopf.“

    Doch leider kann man nicht erfahren,
    woran die fette Kröte denkt.
    Das will sie sich anscheinend sparen,
    ihr Mundwerk hat schnell aufgehängt.

    Sie stürzt sich schließlich in den Weiher
    und taucht bis in den Untergrund.
    Dort blubbert sie die alte Leier,
    und tut sie den Bewohnern kund.

    Doch keiner weiß, was sie empfindet.
    Man hört den Satz, der Nerven tötet.
    Wahrscheinlich ist er unbegründet.
    Sie unkt, und ist davongekrötet.

    Gemütskrank

    Die Maus kriecht nicht mehr aus dem Loch.
    Sie ist verstimmt und deprimiert.
    Es reizt sie kein Fünf-Sterne-Koch,
    der ihre Speisen bunt garniert.

    Sie lümmelt sich tagaus, tagein
    auf ihren weichen Fernsehstuhl.
    Sie trippelt nicht bei Sonnenschein
    zu einem Pfützen-Swimmingpool.

    Zwar kommen Freunde zu Besuch.
    Sie schweigt die Gäste gähnend an.
    Das Lächeln wird zum roten Tuch.
    Ein Witz, der ändert nichts daran.

    Die lieben Gäste sind besorgt
    und hilflos über ihre Art.
    Dann wird das Mitbringsel entkorkt.
    Man prostet auf die Gegenwart.

    Der Vollmond zieht zum dritten Mal
    an ihrem Mauseloch vorbei.
    Die Bäume blättern herbstlich kahl.
    Nun ist das Mäuschen sorgenfrei.

    Tief im Wald

    Der Keiler grunzt zu einer Bache:
    „Du bist die schönste Sau im Wald.
    Ich habe, das ist meine Sache,
    mich grenzenlos in dich verknallt.

    Da hilft mir weder Malz noch Hopfen.
    Das ist ein Virus, der mich quält.
    Es helfen keine Nasentropfen,
    du bist die Sau, die für mich zählt.

    Ich streife durch die Buchenwälder.
    Nur du allein streifst mir im Sinn.
    Ich ernte die Kartoffelfelder.
    Es freut mich, wenn ich bei dir bin.

    Ich folge gerne deinen Spuren.
    Und rieche dich trotz Gegenwind.
    Du bist kein Schwein für krumme Touren.
    Und meine Liebe macht mich blind.“

    „Du weißt ich bin noch ungebunden,“
    so schnaubt die Bache schnell zurück.
    „Mein Herz hat niemals so empfunden,
    Ich wäre gern dein Lebensglück.“

    Auf einer Buche

    Die Eule sitzt auf einer Buche.
    Noch lacht der Tag. Die Sonne strahlt.
    Sie freut sich auf die Nahrungssuche.
    Dann wird ihr Einsatz ausgezahlt.

    Die Mäuse, die im Dunkel rennen,
    verfolgt sie immer schonungslos.
    Und jede Maus muss schnell erkennen.
    Die Eule sieht trotz Gras und Moos.

    Am Morgen nach dem großen Fressen
    fliegt sie auf ihren Lieblingsast.
    Die Pause ist dann angemessen,
    sie döst, so lange es ihr passt.

    Die Mäuse könnten vor ihr tanzen.
    Jedoch die Eule sähe nicht.
    Sie bräuchten sich nicht zu verschanzen,
    denn sie ist blind im Rampenlicht.

    Doch wenn der Abendhimmel dämmert,
    macht sich die Eule auf die Jagd.
    Die Maus, die tanzt, die ist behämmert,
    sie wird verspeist, bevor es tagt.

    Liebeskummer

    Die süße Maus hat Liebeskummer.
    Ihr Mäuserich hat sie verletzt.
    Seit Stunden wählt sie seine Nummer,
    doch seine Leitung ist besetzt.

    ‚Er spricht mit seiner neuen Flamme,‘
    das denkt sie sich, und ist empört.
    ‚Was ich auf jeden Fall verdamme.
    Das ist doch schamlos, unerhört.

    Die Frauen liegen ihm zu Füßen.
    Er ist ein großer Weiberheld.
    Doch dafür muss er einmal büßen,
    weil er die Zeche immer prellt.

    Er kneift bei allen Schwierigkeiten.
    Und handelt wie der Vogel Strauß.
    Wahrscheinlich kann er mich nicht leiden.
    Bei mir ist nun der Ofen aus.‘

    Es klopft an ihrer Mausloch-Kammer.
    Sie öffnet nach geraumer Zeit.
    Und vor ihr steht, das ist der Hammer,
    ihr Mäuserich und lächelt breit.

    „Seit Stunden möchte ich dich sprechen.
    Doch leider spinnt mein Telefon.
    Mein Draht zu dir soll nicht zerbrechen,
    denn du bist meine Hauptperson.“

    Der kleine Bär

    Der kleine Bär hat sich verlaufen.
    Nun steht er vor dem Imbiss-Stand.
    Und kann sich keinen Honig kaufen,
    denn er ist völlig abgebrannt.

    Sein Geld hat er im Wald verloren,
    wahrscheinlich vor dem Bienenstock,
    er hat gezittert und gefroren,
    auf Honig hat er immer Bock.

    Ein Anhaltspunkt von süßen Gaben,
    das hat sein Innerstes bewegt.
    Das Bienenheim und seine Waben,
    die waren leider leergefegt.

    Am Anfang tanzte er vor Freude.
    Gedanklich hatte er ‚geraubt‘.
    Doch hinterher gab’s keine Beute.
    Und das ist schlimmer als man glaubt.

    Nun steht er vor dem Honig-Laden,
    die Hosentaschen, münzenleer.
    Wer sich zu früh freut, hat den Schaden.
    Und das betrübt den kleinen Bär.

    Stressgeplagt

    Die stressgeplagte kleine Maus
    befindet sich im Krankenhaus.
    Der Doktor fragt, was ihr denn fehle,
    und klebt ein Pflaster auf die Seele.

    Nun wartet man auf Besserung.
    Die Maus macht keinen Freudensprung,
    im Gegenteil, im Körper wohnen
    die gottverdammten Depressionen.

    Das hat die kleine lahmgelegt.
    Was ihre Freunde tief bewegt.
    Sie fühlt die Schwäche in den Knochen.
    Der Zustand dauert viele Wochen.

    Der Doktor schickt die Maus auf Kur.
    Man will mit Hilfe der Natur
    die guten Lebensgeister wecken,
    die im erkrankten Mäuslein stecken.

    An frischer Luft, bei Sport und Spiel
    erreicht man das gewünschte Ziel.
    Das Pflaster hat man abgenommen.
    Nun darf das Leben wieder kommen.

    Ans Messer

    Ein Esel liefert mich ans Messer,
    obwohl er überhaupt nichts weiß.
    Er dachte nur, es wäre besser.
    Und so beginnt ein Teufelskreis.

    Schnell blühen Klatsch und die Gerüchte.
    Und vorgehalten wird der Mund.
    Ein Mundraub wird zur Mordgeschichte.
    Es geht treppauf, und schließlich rund.

    Sogar der Mundraub ist gelogen.
    Im Raum steht die Beleidigung.
    Auch sie war höchstens: ungezogen,
    behauptet die Erinnerung.

    Es bleibt nicht aus, ich will mich wehren.
    Doch jeder ist für Wahrheit blind.
    Ich könnte maßlos aufbegehren,
    doch wer glaubt dem ‚Verbrecherkind‘.

    Der Esel meint zum schweren Jungen:
    „Dein Unrecht habe ich ertappt.
    Durch meinen Mut ist das gelungen.
    Nun ist die Falle zugeschnappt.“

    Die Lasermaus

    Die Lasermaus spielt am Computer.
    Sie klickt ihn hier, sie klickt ihn dort.
    Sie übernimmt das Steuerruder.
    Der Rechner, der gehorcht aufs ‚Wort‘.

    Die zwei verbringen viele Stunden.
    Man meint sie sind ein Liebespaar.
    Probleme werden überwunden.
    Die Umwelt nimmt man nicht mehr wahr.

    Sie kennen sich, nicht erst seit heute.
    Und brauchen sich, das ist der Punkt.
    Und beide haben ihre Freude,
    sofern es zwischen ihnen funkt.

    Ein Krokodil und das Rauchen

    Ein Krokodil will lange leben.
    Und daher fasst es den Entschluss,
    das Aktiv-Rauchen aufzugeben,
    weil es beim Aufsteh’n husten muss.

    Der Vorsatz ist schwer einzuhalten.
    Sein Körper schreit nach Nikotin.
    Es raucht. Und seine Sorgenfalten,
    die prophezeien den Ruin.

    Es sucht sein Heil in Kautabletten.
    Das lindert seine liebe Not.
    „Wahrscheinlich bin ich noch zu retten!“
    Bei ihm daheim herrscht Rauchverbot.

    Man tröstet es: „Es wird gelingen.
    Ein Krokodil, das Ketten raucht,
    wird es im Jagen nicht weit bringen,
    weil es erschöpft nach oben taucht.

    Du solltest an dich selber glauben.
    Egal was sich zusammenbraut.
    Der blaue Dunst wird dich berauben,
    und schadet deiner Leder-Haut.“

    Lieferservice

    Der Fuchs sucht seinen Speiseplan.
    Was wird der Service bringen?
    Was füllt mir meinen hohlen Zahn,
    um Kohldampf zu bezwingen?

    Das Jagen hat er eingestellt.
    Der Fuchs ist reich an Jahren.
    Und hat sein Altersruhegeld.
    Er meidet die Gefahren.

    Geliefert wird sein Mittagstisch
    mit einem Combiwagen.
    Die Mahlzeit, meistens ofenfrisch.
    Er kann sich nicht beklagen.

    Ab elf Uhr schaut er in den Wald
    und lauscht nach Motorklängen.
    Er wird erlöst, das hört er bald.
    Man lässt den Fuchs nicht hängen.

    Und heute gibt es fein gewürzt
    auf Blaukraut eine Ente.
    Er hat sich gleich darauf gestürzt.
    Gezahlt wird mit der Rente.

    Sie hat ihn gefunden

    Die Maus hat einen Freund gefunden.
    Es ist noch gar nicht lange her.
    Vor etwa einundzwanzig Stunden
    und zehn Minuten ungefähr.

    (Du fragst, woher stammt dieses Wissen?)
    Sie hat die Stoppuhr angestellt.
    Die tickt selbst unter ihrem Kissen
    und zeigt den Stand der heilen Welt.

    Sie trafen sich im Trockenrasen,
    wo der Wacholder zahlreich beert.
    Dort kreuzen ein paar Mäusestraßen,
    und die Natur lebt unversehrt.

    Sie hat ihn ihr Herz geschlossen
    mit Liebe auf den ersten Blick.
    Und er hat sich in sie verschossen,
    und lichterloh entbrannte Glück.

    Dann mussten sie sich wieder trennen.
    Ihr Glück ist dennoch von Bestand.
    Es galt der Nase nach zu rennen.
    Ihr nächster Treff: im Ackerland.

    Um die Wette

    Die Hennen gackern um die Wette.
    Es wird nie still im Hühnerstall.
    Doch viele denken sich, ach hätte
    ich etwas Ruhe statt Krawall.

    Es wäre schön beim Eierlegen.
    Gemütlich wäre es im Nest.
    Ich hätte sicher nichts dagegen,
    wenn sich die Stille hören lässt.

    Das wird sich leider nicht erfüllen.
    Denn Hennen gackern unentwegt.
    Und immer lauter wird ihr ‚Brüllen‘,
    selbst wenn man Ostereier legt.

    Das ist natürlich Stress hoch sieben.
    Sogar der Gockel kräht sein Lied,
    den alle voller Inbrunst lieben,
    weil er am Hof die Kreise zieht.

    Die Hennen gackern um die Wette.
    Wer Ruhe sucht, tut gut daran:
    Er kündigt seiner Wirkungsstätte
    und wechselt auf den Speiseplan.

    In der Wohnung

    Die Maus sitzt denkend in der Wohnung
    und hält im Hirn Maulaffen feil.
    Doch nötig hat sie diese Schonung.
    Sie sucht nach ihrem Seelenheil.

    Ein Kater hat ihr aufgelauert,
    der hat sie hinterrücks gekrallt.
    Natürlich hat sie das bedauert.
    Sie stand, wie man so sagt, im Wald.

    Und davon muss sie sich erholen.
    Zu einem Schoppen meint sie: Nein.
    Der Trinkgenuss kann mir gestohlen
    und zweifellos entbehrlich sein.

    Sie ordnet sorgsam ihre Stärken.
    Allmählich wirkt sie selbstbewusst.
    Den Seelenschmerz kann sie verbergen.
    Sie nimmt sich nur Kaffee zur Brust.

    Noch sitzt die Maus in schwarzer Tinte.
    Sie denkt zurück an die Gefahr.
    Doch dass sie einen Ausweg finde,
    das ist mir mehr als sonnenklar.

    Die Schlange

    Weil ihr das Outfit nicht mehr passt,
    verwindet sich die Schlange
    von Zweig zu Zweig, von Ast zu Ast
    und nimmt sich in die Zange.

    Was soll die Würgeprozedur?
    Die Schlange will sich häuten.
    Sie steht auf die Verjüngungskur.
    Mehr soll es nicht bedeuten.

    Sie fährt aus ihrer Haut und lässt
    die alten Hüllen fallen.
    Das wird für sie zum Freudenfest,
    das zeigt sie mir und allen.

    Sie fühlt sich wohl in ihrer Haut,
    natürlich in der neuen.
    „Ich bin mit ihr schon eng vertraut.
    Und werde nichts bereuen.“

    Morgenluft

    Das Mäuschen wittert Morgenluft.
    Die Nacht ist überstanden.
    Es schnuppert wieder Kaffeeduft
    und Wurst aus deutschen Landen.

    Sein Kopfweh ist wie weggefegt.
    Und seine Seelenschmerzen,
    die haben sich zum Glück gelegt.
    Die Sonne lacht im Herzen.

    Noch denkt es an sein Missgeschick
    und an die Katerkrallen.
    Es ist durch einen miesen Trick
    tief in ein Loch gefallen.

    Am Anfang war es wie gelähmt.
    Und leckte seine Wunden.
    Es hat sich ohne Grund geschämt
    in leidgeprüften Stunden.

    „Doch damit ist es jetzt vorbei.“
    Erklärte mir das Mäuschen,
    „von nun an bin ich sorgenfrei,
    und völlig aus dem Häuschen.“

    Im Dschungel

    Ein Elefant hält keine Rede.
    Wenn ihm etwas gefährlich scheint,
    dann greift er zur Naturtrompete,
    und fasst in Töne, was er meint.

    So wird die Sippe schnell verständigt.
    Und es genügt ein Rüsselton.
    Prompt wird das Drohende gebändigt.
    Selbst Kinder kommen heil davon.

    Ein Elefant tönt in die Herde:
    ‚Die Früchte schmecken wunderbar‘
    und ‚Scheiße liegt hier auf der Erde‘
    das heißt so viel wie Rutschgefahr.

    Ganz ausgereift ist die Palette,
    die man dem Rüsselrohr entlockt.
    (Und ich gewinne jede Wette:)
    Im Notfall wird sie aufgestockt.

    Man spart mit großgespurten Reden,
    und findet leicht den Rüsselton.
    Man duscht mit den Naturtrompeten.
    Und jeder macht Gebrauch davon.

    Zwei Fische

    Zwei Fische sind im Wasserglas.
    „Wir möchten gerne fort von hier.
    So macht das Schwimmen keinen Spaß.“
    Erwünscht: ein größeres Quartier.

    Dort lässt sich unbekümmert tanzen
    mit dem vertrauten Lieblingsfisch.
    Es gäbe Raum, sich fortzupflanzen.
    Getrennt, das Bett vom Küchentisch.

    Mein Partner flosst im Nebenzimmer
    und jeder räumt sein Chaos auf.
    Es wäre nicht mehr so wie immer.
    Geändert wird der Lebenslauf.

    Doch unbezahlbar sind die Mieten.
    Fisch schaut sich in der Gegend um.
    Man hätte einiges zu bieten:
    im Penthouse ein Aquarium.

    Schnell stiegen Lebenshaltungskosten,
    die Mäuse aus der Tasche zieh’n.
    Die Miete wär‘ ein fixer Posten.
    Zwangsläufig führt das zum Ruin.

    Ein neues Domizil

    Die Feldmaus sucht mit ihren Kindern
    ein kuschelweiches Domizil,
    um artgerecht zu überwintern.
    Doch kosten darf es nicht sehr viel.

    Sie fragt bei einem Hausvermieter,
    der ist dem Wunsch nicht abgeneigt.
    Sein Angebot ist immer wieder
    zu teuer, wie sich letztlich zeigt.

    Nun kreuzt sie ihre Tageszeitung
    und sie markiert im Internet.
    Es ‚glüht‘ bereits die Handyleitung.
    (Kein Stellplatz für ihr Kinderbett!)

    Ich miete einen Schaufel-Bagger
    und grabe uns ein tiefes Loch.
    Der Standort: der Getreideacker,
    aus dem ich in das Leben kroch.

    Dann werden wir im Grünen wohnen.
    Dort sind bestimmt die Kinder brav.
    Der Aufwand wird sich sicher lohnen,
    und hinterher – der Winterschlaf.

    Am Wendekreis

    Der Eisbär trifft am Wendekreis
    auf eine süße Eisbärdame.
    Ihr Zottelfell ist blendend weiß
    wie eine Zahnpastareklame.

    Sein Herz pocht schnell, sein Kreislauf rennt.
    Er ist nach kurzer Zeit benommen.
    Obwohl er die Symptome kennt,
    will er nun schleunigst zu sich kommen.

    Denn das ist eine Wahnsinnsfrau.
    Kein Fehl und Makel zu entdecken.
    Und eines weiß ich ganz genau,
    den Liebreiz kann sie nicht verstecken.

    „Ich würde gern behilflich sein,“
    erklärt die junge Krankenschwester.
    „Die Atemnot, die stellt sich ein,
    bei jedem älteren Semester.“

    Im Tannenwald

    Die Maus stapft durch den Tannenwald,
    ein Lied auf ihren Lippen.
    Sie wird, und das geschieht recht bald,
    an ihrem Fruchttee nippen.

    Im Nebel liegt ihr Wanderziel.
    Doch es tut gut zu laufen.
    Es ist ein herrliches Gefühl,
    das kann sie nirgends kaufen.

    Nach einer Weile hält sie Rast,
    und knabbert Weizenkerne.
    Sie lehnt an einem Tannenast
    und träumt sich in die Ferne.

    Ein Bild taucht auf vom Mäuserich.
    Er ist ihr Herzbegleiter.
    Dann spürt sie einen Nadelstich
    und schließlich geht es weiter.

    Sie trippelt pfeifend ihre Spur.
    Gedanken: traum-verloren.
    Die Maus taucht ein in die Natur.
    Und fühlt sich neu geboren.

    Sein Herz verloren

    Ein Walroß hat sein Herz verloren
    und sucht im metertiefen Schnee.
    Das Oberteil ist angefroren.
    Da tut ihm gleich die Flosse weh.

    Dann furcht es mit den scharfen Zähnen.
    Dabei wird auch sein Schnauzbart nass.
    Und obendrein, da rinnen Tränen.
    Denn bodenlos erscheint das ‚Fass‘.

    Sein Herz ist nirgends zu entdecken.
    Ein Wandervogel stelzt vorbei:
    „Es wird wohl in der Hose stecken.
    Beende deine Sucherei.“

    Tatsächlich in der Hosentasche
    stößt es kopfschüttelnd auf sein Herz.
    „Ich war nie eine feige Flasche!
    Ich hatte höchstens Seelenschmerz.“

    Sein Herz hat gern zurückgefunden.
    Das Walroß prustet, selbstbewusst.
    „Am besten, es wird angebunden,
    denn ratlos macht mich ein Verlust.“

    Ein junger Hase

    Am Waldrand hockt ein junger Hase,
    und mümmelt frisches Rübenkraut.
    Er schnubbert mit der feinen Nase,
    ob wohl ein Fremder nach ihm schaut.

    Die Luft ist rein. Das kann er riechen.
    Dann hoppelt er zurück ins Feld,
    um dort der Nase nach zu kriechen,
    und über ihm das Himmelszelt.

    Er nippt am Kraut und knabbert Rüben.
    Die Lauscher stellt er auf Empfang.
    Er weiß, er muss sich darin üben.
    Sonst lauert bald sein Untergang.

    Und höre da, Motorgeräusche
    auf einem Schotteruntergrund.
    Wenn ich mich nicht gewaltig täusche,
    das ist der Jäger und sein Hund.

    Er wechselt zick-gezackt die Seiten.
    Und stolpert über Stock und Stein.
    Denn sein Instinkt meint: diese beiden,
    die werden keine Freunde sein.

    Schneckenpost

    Die Schnecke brachte einen Brief
    und ein paar Ansichtskarten.
    Schon hing im Haus der Segen schief,
    ich musste zu lang warten.

    Vergangen ist ein halbes Jahr.
    Ich stelle sie zur Rede.
    „Ich bin,“ so meint sie lapidar
    „doch keine Mondrakete.

    Das Postgut hat sein Ziel erreicht.
    Und gutes Ding braucht Weile.
    Du weißt, wie meine Schleimspur schleicht,
    selbst wenn ich mich beeile.

    Die schnelle Information
    geschieht doch heutzutage
    per SMS und Klingelton.
    Das steht doch außer Frage.

    Nun gib mir etwas Apfelmost.
    Ein Prosit auf den Spender.
    Ich schicke dir demnächst die Post
    durch ein Logistic-Center.“

    Ein Schillerkäfer

    Ein Schillerkäfer kriecht im Laub.
    Für Kinderrufe ist er taub.
    Er hat kein Ziel, will dennoch weiter.
    Und ist sich selber Wegbegleiter.

    In jedem Park wird er erkannt.
    Er schillert wie ein Clownsgewand.
    Er trägt gelassen seine Bürde
    und meistert jede Blätterhürde.

    Er taumelt auf. Er taumelt ab.
    Den morschen Ast verfehlt er knapp.
    Nun hält er eine Weile inne
    und stürzt dann in die Regenrinne.

    Zu wassern führt nicht zum Verdruss.
    Sein Sechsbein strampelt, weil es muss.
    Sie bringen ihn nach einer Weile
    an die verlehmten ‚Uferteile‘.

    Sein Leben regelt sein Instinkt.
    Es geht voran, selbst wenn er hinkt,
    zu Plätzen, die ihm nichts bedeuten,
    um dort sein Dasein zu ‚vergeuden‘.

    In Daunendecken

    Die Maus steckt tief in Daunendecken.
    Ab heute herrscht die Winterzeit.
    Sie lässt sich deshalb später wecken
    und Träume liegen griffbereit.

    Es tut so gut, im Bett zu liegen.
    Es stört nicht, wenn der Regen fällt.
    Die Maus, die gönnt sich das Vergnügen
    und kuschelt mit der heilen Welt.

    Sie liebt es, lange auszuschlafen,
    und fühlt sich wohl in ihrem Bett.
    Das ist für sie der Heimathafen.
    Als Wasser dient das Holzparkett.

    Die Winterzeit schenkt eine Stunde,
    die hatte heute Dienstantritt.
    Nun träumt die Maus noch eine Runde,
    und schläft sich für den Winter fit.

    Kranke Maus

    Die Maus war krank zu Bett gelegen.
    Sie nimmt das Leben wieder auf.
    Und kriecht auf altbekannten Wegen
    im Stechschritt und im Dauerlauf.

    Die Seelenschmerzen sind verschwunden.
    Vergessen ist das Weh und Ach.
    Sie hat zu sich zurückgefunden.
    Und Kummertränen fallen flach.

    Sie strotzt vor Kraft und Wohlbefinden.
    Nun tickt sie im gewohnten Takt.
    Sie könnte Berge überwinden.
    Und hat sich selbst am Schopf gepackt.

    Man wünscht, er möge gut gelingen,
    ihr Weg in die Gelassenheit.
    Er soll ihr reiche Ernte bringen.
    „Vertraue dir und zu jeder Zeit.“

    Zwei Wochen lag ihr Mut darnieder.
    Sie war tief in der Seele krank.
    Sie telefont und lächelt wieder.
    Sie ist genesen – Gott sei Dank.

    Floh im Ohr

    Du setzt mir einen Floh ins Ohr.
    Was soll ich davon halten?
    Der geht total gerissen vor.
    Und kann sich leicht entfalten.

    Nun höre ich sein Wunschkonzert,
    mit altbekannten Weisen,
    das schamlos in den Ohrgang plärrt.
    Und die Gedanken kreisen.

    Die Wünsche werden aufgeweckt.
    Die meisten sind putzmunter.
    Ich werde davon angesteckt.
    Und die Vernunft geht unter.

    Der Floh im Ohr, das ist mir klar,
    wird jeden Wunsch verbreiten.
    Und grenzenlos sein Repertoire.
    Ich bin nicht zu beneiden.

    Der Spaß ist kurz, und ich bin blank.
    Das war vorauszusehen.
    Denn Ebbe herrscht im ‚Panzerschrank‘.
    Das muss der Floh verstehen.

    Suche nach der Partnerin

    Ein Hase hoppelt durch die Felder.
    Er sucht nach seiner Partnerin.
    Er streunt im Unterholz der Wälder.
    Für sie geht er durch dick und dünn.

    Doch nirgends kann er sie entdecken.
    Geschnäuzt wird in ein Taschentuch.
    Wo mag die Allerliebste stecken?
    Dann greift er wild zu einem Fluch.

    Nun kreuzt sie auf mit roten Ohren
    und stammelt ein: Entschuldigung.
    „Ich war in ein Gespräch verloren,
    wir schwelgten in Erinnerung.

    Die Freundin wird den Zug verpassen.
    Zum Bahnhof ist es meilenweit.
    Wir konnten es erst gar nicht fassen,
    denn viel zu schnell verflog die Zeit.

    Ich bitte dich, mich nicht zu schelten,
    denn es war höhere Gewalt.
    Doch lässt du keinen Einwand gelten,
    dann bin ich wie ein Eisschrank – kalt.

    Ein Brummbär

    Ein Brummbär lästert alle Tage.
    Und keiner macht ihm etwas recht.
    Den Sonnenschein stellt er in Frage.
    Wer widerspricht, dem geht es schlecht.

    Er sieht nur auf das Negative.
    Er grollt und brummt im Rampenlicht.
    Er startet eine Offensive
    und zeigt sein mürrisches Gesicht.

    Das Schöne stampft er in den Boden.
    Und maßlos die Pauschalkritik.
    Den Kindern klopft er auf die Pfoten,
    genießen sie die Pop-Musik.

    Genörgelt wird auf Futterplätzen.
    Er hat, und das ist weltbekannt,
    an allem etwas auszusetzen.
    Ihn stört die Fliege an der Wand.

    Der Brummbär zählt zu Zeitgenossen,
    die sind erdrückend inhaltsleer.
    Zu jedem Streit sind sie entschlossen,
    und machen uns das Leben schwer.

    Die Schnecke tourt

    Die Schnecke tourt mit Pferdekraft.
    Ihr Ziel der warme Süden.
    Sie tankt zunächst Gemüsesaft,
    das lässt sie nicht ermüden.

    Sie frisst sich satt am Beerenstrauch
    und nippt an Apfelteilen.
    Sie füllt mit Fallobst ihren Bauch,
    um bald davonzueilen.

    Dann startet sie ihr Wohnmobil,
    und lässt die Kupplung schleifen.
    Sie steuert dann in Richtung Ziel,
    und quert den Zebrastreifen.

    Ihr Handy und das Zubehör
    sind fest an Ort und Stelle.
    Sie fährt nach Sicht und nach Gehör.
    Sie ist gewappnet
    für alle Zwischenfälle.

    Die Sau im Metzgerladen

    Die Sau weint sich die Augen wund.
    Es hängt im Metzgerladen
    Ein Schwein von circa hundert Pfund.
    Ein Teil wird angebraten.

    Der Bauer hat das gute Stück
    aus seinem Stall genommen.
    Das war bestimmt kein Schweineglück,
    das ist ihr schlecht bekommen.

    Die Bande ist verwandtschaftlich.
    Das Schwein, das war ihr Vetter.
    Nun liegt er da und ‚wendet‘ sich
    im Sud auf Lorbeerblätter.

    Wir haben oft den Trog geteilt.
    Und Magermilch getrunken.
    Das Schicksal hat ihn nun ereilt
    durch diesen Erzhalunken.

    Bald werden Kunden ungestört,
    an seinen Knochen nagen.
    Die andre Hälfte, unerhört,
    hängt straff am Fleischerhaken.

    Die Wildsau und ihr Göttergatte

    Die Wildsau und ihr Göttergatte,
    die schauen sich die Augen aus.
    Sie suchen eine Top-Krawatte
    im angesagten Modehaus.

    Die Farben wollen gar nicht passen,
    und hässlich ist die Musterung.
    „So kann ich mich nicht sehen lassen,
    sonst kriegt die Schüssel einen Sprung.“

    Die Ehefrau ist unzufrieden:
    „Das trägt im Buchenwald kein Schwein.
    Habt ihr nichts Besseres zu bieten,
    sonst lassen wir den Einkauf sein.“

    „Sie können sich ‚tres chic‘ vergnügen,“
    erklärt die Frau, die Wünsche kennt,
    „mit ausgesuchten, schönen Fliegen.
    Das ist ein neuer Modetrend.“

    Der Göttergatte hat den Schaden.
    Die Frau Gemahlin ist entzückt.
    Der Keiler fühlt sich schlecht beraten,
    wenn er in einen Spiegel blickt.

    Der Fuchs und sein Grill

    Am Waldrand wird ein Huhn gegrillt.
    Der Fuchs steht in der Küche.
    Sein Kohldampf wird demnächst gestillt.
    Es duften Wohlgerüche.

    Das Huhn ist aus dem Hof entwischt
    und wurde leicht zur Beute.
    Bald wird es knusprig aufgetischt.
    Der Fuchs hat seine Freude.

    Da kommt der Förster angerannt,
    denn Feuer ist verboten.
    Das setzt den Fichtenwald in Brand.
    Da platzt dem Fuchs der Knoten.

    „Bei mir, da steckt der Hähnchengrill
    in einer Mikrowelle.“
    Der Förster wurde kleinlaut, still,
    und er verließ die Stelle.

    Dann hat der Fuchs das Huhn verzehrt,
    gefunden war das Fressen.
    Dazu hat er ein Bier geleert.
    Er schätzt Delikatessen.

    Das Wüstenschiff

    Das Wüstenschiff hat sich verlaufen.
    Es trabt seit Stunden nur im Kreis.
    Nun hält es an, um zu verschnaufen.
    Von oben brennt die Sonne heiß.

    „Wie konnte das denn nur geschehen?
    Ich bin anscheinend ein Kamel.
    Es nutzte nichts, im Kreis zu gehen.
    Die Gehversuche schlugen fehl.“

    Dann zieht es seine Wanderkarte.
    Ein Überlegen findet statt.
    „Und was ich mir davon erwarte,
    das steht auf einem andren Blatt.“

    Die Einsichtnahme hat gefruchtet.
    Gelassen schwankt das Wüstenschiff.
    Die Hufe werden ausgewuchtet.
    Es hat den Wanderweg im Griff.

    Nach Stunden findet seine Nase
    den Wasserquell, den Palmenhain.
    Es schattet sich in der Oase
    und lässt dann fünf gerade sein.

    Der Waschbär

    Der Waschbär füllt die Waschmaschine,
    und stellt sie ein auf vierzig Grad.
    Er macht zu allem gute Miene.
    Beim Waschen ist er echt auf Draht.

    Und wenn die Kleidungsstücke kreisen,
    ist seine Pause stundenlang.
    Dann muss er nur Geduld beweisen.
    Gereinigt wird im Schonwaschgang.

    Doch während er die Seele läutert,
    da wird getrommelt und gepumpt.
    Und kurz vor Abschluss wird geschleudert,
    dann ist das Waschprogramm verstummt.

    Wer denkt, den Waschbär muss man drängen,
    (der hat sich in der Tür geirrt)
    um Porentiefes aufzuhängen.
    Was eine Weile dauern wird.

    Fein säuberlich hängt an der Leine
    ein weichgespültes Wäschestück.
    Der Waschbär macht sich selber Beine
    und flieht, im nächsten Augenblick.

    Am Polar

    Ein Eisberg, oben am Polar,
    ist leider lebensmüde.
    Das kommt, so schnaubt ein Zottelpaar,
    bei uns nicht in die Tüte.

    Wir wandern nächste Woche aus,
    weil wir noch Nachwuchs wollen.
    Wir suchen uns ein neues Haus
    aus dicken Packeis-Schollen.

    Der Eisberg meint, ihr habt es gut,
    ihr könnt von dannen ziehen.
    Jedoch ich kann, selbst ausgeruht,
    nicht in die Ferne fliehen.

    Mein Abgang fällt mir furchtbar schwer.
    Ich wünsche gute Reise.
    Und donnernd stürzt er sich ins Meer.
    Die Zottel weinen leise.

    Auf die Waage

    Ein Walross stellt sich auf die Waage.
    Es freut sich über jedes Pfund.
    Und kontrolliert sich alle Tage.
    Es liebt sich nämlich kugelrund.

    Es möchte kein Gewicht verlieren,
    und pfeift auf jede Schlankheitskur.
    Die meisten können garantieren,
    das Fett ist Pflicht in der Natur.

    Schon morgens trinkt es Schokolade
    und köpft ein Überraschungsei.
    Es frisst die Torte ohne Gnade
    und stopft sich voll mit Müslibrei.

    Am Mittag eimert es die Suppe,
    und schaltet in den zweiten Gang.
    Was andre denken ist ihm schnuppe.
    Es steht gehörig unter Zwang.

    Wenn andre unaufhörlich fasten,
    dann bläst es nicht ins gleiche Horn.
    Es zügelt sich, nicht auszurasten.
    Und es besänftigt seinen Zorn.

    Zivilcourage

    Ein Vogel musste Federn lassen.
    Er fühlt sich matt und tief gekränkt.
    Im Herzen kann er es nicht fassen,
    wenn er an diesen Zweikampf denkt.

    Er sah sich dazu auserkoren,
    zu schlichten im Familienstreit.
    Man packte ihn ganz unverfroren,
    zum Kontern fehlte ihm die Zeit.

    Man hat ihn schändlich zugerichtet.
    Noch immer dröhnt sein Schädelweh.
    Auf Aspirin hat er verzichtet.
    Er heilt sich mit Kamillentee.

    Sein Einsatz war Zivilcourage.
    Im Notfall ist sie dünn gesät.
    Sie führte leider zur Blamage.
    Das denkt er sich von früh bis spät.

    Jedoch in den Familienkreisen
    wird er gefeiert wie ein Held,
    der sich, das konnte er beweisen,
    ganz furchtlos einem Unheil stellt.

    Im Dschungel

    Im Dschungel schnappt ein Krokodil
    nach zarten Leckerbissen.
    Das Jagen ist sein Lebensziel,
    und rein ist sein Gewissen.

    Auch sonntags will sein Jagdinstinkt
    nicht ruhen und nicht rasten.
    Und wenn die fette Beute winkt,
    pflegt es sie anzutasten.

    Jedoch im Wonnemonat Mai,
    wenn die Gefühle tanzen,
    nimmt es sich ein paar Tage frei,
    sein Wunsch: sich fortzupflanzen.

    Es schaut sich um im Dschungelfluss,
    und sucht nach Kandidaten.
    Ein Scherz, ein Keks, ein dicker Kuss.
    Man geht gemeinsam baden.

    Man hat sich lieb, bald finden sich
    im Sand die dicken Eier.
    Dann führt der Weg zurück zum Ich
    bis zur Geburtstagsfeier.

    Dann schaut man sich den Nachwuchs an.
    Es wachsen Glücksgefühle.
    Die enden aber irgendwann
    im Land der Krokodile.

    Ein Uhu

    Ein Uhu ruht im tiefen Wald
    auf einer alten Eiche.
    „Das ist mein Lieblingsaufenthalt
    von dem ich ungern weiche.“

    Er hockt den lieben, langen Tag
    auf den verknorkten Ästen.
    Sein Bauch ist, was er gerne mag,
    gefüllt mit Speiseresten.

    Doch häufig spürt er, und beklagt
    im Magen eine Völle.
    Das stammt von seiner Mäusejagd,
    das produziert Gewölle.

    Dann würgt er und sein Körper zuckt
    (und das ist nicht gelogen.)
    Gleich wird ein Knäuel ausgespuckt
    in einem hohen Bogen.

    Erleichtert schläft er wieder ein.
    Und stellt sich einen Wecker.
    Dann fliegt er nachts im Mondenschein
    zum Fleischer und zum Bäcker.

    Der Igel

    Der Igel hat im welken Laub
    gefahrlos überwintert.
    Er war auf beiden Ohren taub,
    ihn hat kein Lärm behindert.

    Erst gestern ist er aufgewacht,
    und hörte Vögel zetern.
    Er hat nicht lange nachgedacht
    und schlüpfte aus den ‚Federn‘.

    Den Garten hat er inspiziert
    auf Ehre und Gewissen.
    Das hat ihn fürchterlich frustriert
    denn nirgends Leckerbissen.

    Er fühlt sich matt und flau im Bauch,
    denn er hat lang gelagert.
    Das Polster Fett, das fehlt ihm auch.
    Er ist ganz abgemagert.

    Sein Feldzug führt zur leichten Kost.
    Das Mahl ist angerichtet.
    Er wühlt den Kopf in den Kompost.
    Ein Fund wird gleich vernichtet.

    An der Gardine

    Im Schlafgemach an der Gardine,
    surrt auf und ab ein armes Ding.
    Doch das ist keine Honigbiene
    und auch kein bunter Schmetterling.

    Ganz ängstlich hängt es in den Seilen.
    Sein Kopf stößt an das Fensterglas.
    Es möchte liebend gern enteilen.
    Gefangen sein macht keinen Spaß.

    Doch etwas Vorsicht ist geboten.
    Es hat die Waffe schon gezückt.
    Und bei Gefahr, da platzt sein Knoten.
    Und seine Angst macht es verrückt.

    Das Ding entpuppt sich als Hornisse.
    Es wäre schmerzhaft, wenn sie sticht.
    Und jeder weiß: Gewissensbisse
    kennt dieses ‚Lebewesen‘ nicht.

    Doch das Problem kommt auf die Reihe
    mit einem großen Fensterspalt.
    Dann findet sie den Weg ins Freie
    und macht erschöpft im Rasen Halt.

    Ein Kamel

    Auf der verstaubten Wüstenstraße,
    da trottet einsam ein Kamel.
    Es sucht nach einer Traumoase,
    und gibt sich selbst den Marschbefehl.

    Sie hat an einer Wasserstelle
    sich von dem Hufvolk abgesetzt.
    Es ist verschwunden, auf die schnelle,
    und ist durch Wüstensand gehetzt.

    So hat es mächtig Land gewonnen.
    Sehr bald geriet es außer Sicht.
    Ein freies Leben hat begonnen
    im gleißend, hellen Tageslicht.

    Doch auch die Freiheit ist zuzeiten
    nicht immer allererste Sahne.
    Und Tränen kann es nicht vermeiden,
    sein Heimweh gilt der Karawane.

    Ein kleiner Spatz

    Ein kleiner Spatz raucht Zigaretten.
    Er tut es heimlich, das ist klar.
    Jedoch ich möchte darauf wetten,
    er unterschätzt die Rauch-Gefahr.

    Schon morgens hängt in seinem Schnabel
    ein weißes Stäbchen Nikotin.
    Es rollt ein Ritual vom Stapel,
    um sich den Tabak reinzuzieh’n.

    Dafür lässt er das Frühstück platzen.
    Sein Krümelhunger ist gestillt.
    Er kämpft nicht mit den andren Spatzen,
    das passt nicht in sein Raucherbild.

    Dadurch wird er zum Außenseiter.
    Er fiebert selbst im Traum nach Rauch.
    Die Sucht ist ständig sein Begleiter
    und sie rumort in seinem Bauch.

    Nun muss er sich davon entwöhnen.
    Die Partnerin pocht auf Verzicht.
    Dann schwört er in den höchsten Tönen:
    „Ich nehme mich nun in die Pflicht.“

    Das war ein Hängen und ein Würgen.
    Sein Vorsatz zehrt am Nervenkleid.
    Jedoch er kann dem Schatz verbürgen:
    „Vom Nikotin bin ich befreit.“

    Ein Flusspferd

    Ein Flusspferd gähnt. Man sieht die Zähne.
    Und der Koloss zeigt seinen Schlund.
    Dann spritzt das Wasser zur Fontäne.
    Schon taucht es in den Untergrund.

    Es paddelt mit den plumpen Füßen,
    und fühlt sich wohl in seiner Haut.
    Die Schuppen und die Algen grüßen,
    und niemand, der erschrocken schaut.

    Im Wasser ist es sehr behende.
    Sogar bei einem Hexenschuss.
    Die Schmerzen nehmen schnell ein Ende,
    die Medizin – der Dschungelfluss.

    Nur selten tummeln sich Touristen.
    Die Tiergemeinschaft denkt: Gott-lob.
    Sie möchte lang ihr Leben fristen
    im menschenleeren Biotop.

    Im Dschungel

    Ein hochbetagter Elefant
    duscht sich an einer Wasserstelle.
    Sein Rüssel geht ihm gern zur Hand,
    und rückt ihm spritzend auf die Pelle.

    Befreit wird er von Parasiten.
    Da freut sich seine dicke Haut.
    Darunter hat er sehr gelitten.
    Denn davor schützt kein Dschungelkraut.

    Dann nimmt er Platz in seinem Herzen.
    Er pfeift auf einen Yoga-Sitz,
    um jeden Unrat auszumerzen.
    Das fördert einen Geistesblitz.

    Nun ist er porentief gereinigt,
    und schwebt fast auf dem Trampelpfad.
    Vom Weltschmerz wird er nicht gepeinigt.
    Sein Herz zeigt Größe und Format.

    Er kehrt zurück, kein Mitgefährte
    nimmt ihm die Führungsrolle krumm.
    Die große Elefantenherde
    ist dankbar für das Unikum.

    Ferien

    Die Wildsau und ihr Göttergatte,
    die machen, denn sie sind nicht doof,
    befreit von Anzug und Krawatte,
    stets Ferien auf dem Bauernhof.

    Tagtäglich wird man sie verwöhnen.
    Die Freude lauert überall.
    Gegrunzt wird in den höchsten Tönen.
    Das Stroh ist weich im Schweinestall.

    Erkundet werden Wald und Wiesen.
    Es gibt nichts besseres zu tun.
    Und wo sich Fuchs und Hase grüßen,
    da pflegen sie sich auszuruh’n.

    Kein Auspuffkrach zerstört die Stille.
    Ein Urlaub in der heilen Welt.
    Sie fügen sich in die Idylle,
    die nichts verspricht, und alles hält.

    Am Abend werden sie gemästet.
    Sofort verebbt der Dialog.
    Ein guter Tropfen wird getestet
    im holzgefassten Schweinetrog.

    Pferde

    Auf einer Koppel weiden Pferde.
    Die meisten sind kastanienbraun.
    Kein Gatter schützt die scheue Herde,
    das meistert ein Elektrozaun.

    Ein Hengst umschmeichelt eine Stute.
    Sie zeigt die Schulter und bleibt kühl.
    Sie wiehert laut, und ich vermute,
    sie hat mit ihm kein Mitgefühl.

    Im Schatten lümmeln sich die Fohlen.
    Die Affenhitze geht reihum.
    Sich auszuruhen wird empfohlen,
    und keines macht die Hufe krumm.

    Am Abend die ersehnte Brise.
    Das macht den Pferden riesig Spaß.
    Und man verteilt sich auf der Wiese.
    Und alle beißen dann ins Gras.

    In der Frühe

    Die Glocken bimmeln in der Frühe.
    Doch vorher kam der Hahnenschrei.
    Die Dorfmusik gestalten Kühe
    auf ihrem Weg zur Molkerei.

    Sie hinterlassen auf dem Pflaster,
    und das bleibt in Erinnerung,
    denn alle frönen diesem Laster,
    verbreitet wird der warme Dung.

    Die Menschen tragen es mit Fassung.
    Egal wohin der Fladen fällt,
    und keiner Kuh droht die Entlassung.
    Die Landluft grüßt den Rest der Welt.

    Zum Einsatz kommt die Melkmaschine.
    In Schläuchen fließt die Farbe weiß.
    Das Milchabzapfen ist Routine.
    Man hofft auf einen fairen Preis.

    Bald bimmelt man zurück zur Weide.
    Dort wird geschlemmt und ausgeruht.
    Man zeigt die Schokoladenseite.
    Und bei Bedarf wird laut gemuht.

    Im Weiher

    Im Weiher tummeln sich die Fische.
    Die Karpfen jagt ein schlanker Hecht.
    „Und wehe, wenn ich dich erwische,
    dann geht es deinen Gräten schlecht.“

    Die Karpfen reißen sich am Riemen.
    Die Algen dienen ihrem Zweck.
    Dort blubbern sie mit ihren Kiemen,
    denn gut gewählt ist das Versteck.

    Doch manche schwimmen aus dem Ruder.
    Der Jäger hat ein leichtes Spiel.
    Er schnappt sich flink ein armes Luder.
    Sein Kampfeinsatz gelangt zum Ziel.

    Die Freude währt, wie ich vermute,
    nur ein paar Augenblicke lang.
    Ihn ködert eine Angelrute,
    besiegelt ist sein Untergang.

    Durch den Garten

    Die Katze stromert durch den Garten,
    und stapft um jeden heißen Brei.
    Das war nicht anders zu erwarten,
    denn wie sie handelt, steht ihr frei.

    Oft lauert sie auf Mäusestraßen.
    Sie hat Geduld, die Spannung steigt.
    Sie ist auf einem grünen Rasen
    der Jagdsaison nicht abgeneigt.

    Schon wieder liegt sie auf der Lauer.
    Ihr Appetit ist grenzenlos.
    Doch plötzlich fegt ein Regenschauer.
    Sie legt die Pfoten in den Schoß.

    Nun wartet sie auf Sonnenstrahlen.
    Und leckt die Milch vom Tetrapack.
    Sie kauft, und damit will sie prahlen,
    kein Mäusevieh in einem Sack.

    Eine junge Ziege

    Es meckert eine junge Ziege.
    Sie führt sich auf, und sträubt ihr Fell.
    Sie ist ein Opfer der Intrige.
    Das ist im Grunde: kriminell.

    Sie trägt bedrückt an Folgelasten.
    Das fördert eine Gänsehaut.
    Ein Grund um zickig auszurasten,
    weshalb sie grimmig um sich schaut.

    Jetzt kann sie sich nur selbst erlösen,
    weil kein Genosse zu ihr hält.
    Sie lässt sich keine Angst einflößen,
    und beugt sich nicht der Unterwelt.

    Sie findet, ohne es zu planen,
    im Nachbarviertel einen Freund.
    Und jeder Laie kann es ahnen,
    es wird durch die Natur gestreunt.

    Das lindert alle Herzattacken.
    Es zählt allein die Gegenwart.
    Vergangenes ist abzuwracken.
    Ihr Freund grault ihren Ziegenbart.

    Wettervorhersage

    Im Flachland und auch in den Alpen,
    befragt man oft den Wetterhahn.
    Dann schaut er nach den Mauerschwalben,
    und dem Verlauf der Segelbahn.

    Und dreht ein Hoch verträumt die Runde,
    dann ziehen Schwalben himmelwärts.
    Verbreitet wird die frohe Kunde.
    Die Sonne zärtelt lieb das Herz.

    Die Hitze sticht die Ungesonnten.
    Und plötzlich fliegen Schwalben tief.
    Es lauern die Gewitterfronten.
    Es graupelt weiß im Felsmassiv.

    Entblättert sich die Herbstzeitlose,
    entfällt, und das weiß jedes Kind,
    die Vorschau und die Diagnose,
    weil Schwalben fern im Süden sind.

    Der Hecht

    Der Hecht sucht seine Gleitsichtbrille,
    denn ohne sie misslingt ein Fang.
    Verschwommen sieht er die Idylle.
    Er tastet sich am Grund entlang.

    Er fragt sich selbst: Wo mag sie stecken.
    Wo hat sie ihren Aufenthalt.
    Ich kann sie nirgendwo entdecken.
    Mein Gott, ich werde langsam alt.

    Durchforstet werden Ufersteine,
    die Pflanzen und das Algengrün.
    Jedoch er findet leider keine
    verheißungsvolle Spur für ihn.

    Nun steht er ratlos im Gewässer,
    und seine Weitsicht, eingeschränkt.
    Mit Brille wäre alles besser,
    wenn er die Lage überdenkt.

    Und er beschließt, das Blatt zu wenden.
    Ein Aststück dient als Blindenstock.
    Mit neuer Brille in den Händen,
    verspeist er jeden Sündenbock.

    Die Fliege

    Die Fliege tanzt auf meiner Nase.
    Zwei Schritte vorwärts und zurück.
    Sie gönnt sich keine Ruhephase
    bei einer heißen Popmusik.

    Doch bald versickert das Getöse.
    Ihr zarter Körper ist erhitzt.
    Jedoch sie gibt sich keine Blöße,
    sie reibt die Beinchen, weil sie schwitzt.

    Sie wandert auf die Nasenspitze
    und nimmt die Gegend ins Visier.
    Am Tisch lacht eine Wasserpfütze,
    die stammt von einer Flasche Bier.

    Erkundet wird ein Nasenflügel.
    Es kribbelt, wenn ihr Saugrohr leckt.
    Sie wird verscheucht vom kleinen Hügel.
    Im Raum schwirrt frech ein Flugobjekt.

    Tausend Zwänge

    Ein Pudel steckt in tausend Zwängen.
    Er wohnt in einem Dorf im Harz.
    Sehr oft lässt er sein Köpfchen hängen,
    wenn er sich anschaut, sieht er schwarz.

    Sein Frauchen liebt er über alles.
    Doch manchmal ist sein Kopf nicht frei.
    Genau in diesem Fall des Falles,
    ist ihm sein Leben einerlei.

    Da helfen keine Leckerbissen.
    Das Gassi-gehen wird zur Qual.
    Er fürchtet sich vor Hindernissen
    am Gipfelkreuz, und tief im Tal.

    Ganz selten lächeln die Gedanken.
    Fast immer ist er deprimiert.
    Dann fängt er an, mit sich zu zanken.
    Was ihn zum Unwohlsein verführt.

    Am besten wäre zweifelsohne
    und dieser Ansatz ist gekonnt.
    Er färbt die schwarze Körperzone
    mit Strähnchen, und erblickt nun blond.

    Ein Walross

    Ein Walross zeigt in Sachen Liebe,
    am liebsten Herz, das ist bekannt.
    Verpönt sind fiese Seitenhiebe.
    Es ist humorvoll und charmant.

    Stets lässt es die Gefühle sprechen,
    was es an jedem Tag beweist.
    Natürlich hat es seine Schwächen,
    wenn der Geduld der Faden reißt.

    Sein Partner in der Meeresenge
    macht ihm nichts vor am Wendekreis.
    Sie sind auf gleicher Wellenlänge,
    und ihre Leidenschaft ist heiß.

    Doch weil sie voneinander schwärmen,
    nicht nur platonisch und abstrakt,
    wird jede Scholle sich erwärmen,
    denn feurig ist ihr Liebesakt.

    Sie müssen sich für immer trennen.
    Darüber sind sich beide klar.
    Die Eiswelt wird ins Unglück rennen.
    Am Ende schmilzt noch der Polar.

    Ein Sparschwein

    Ein Sparschwein sehnt sich nach Moneten.
    Es zeigt Geduld im Schneidersitz.
    Es sammelt jede Art von Kröten.
    Am Rücken ist sein Einwurfschlitz.

    Nicht jeden Tag wird es gemästet.
    Oft knurrt sein Magen wochenlang.
    Und seine Stimmung ist verpestet.
    Doch das führt nicht zum Untergang.

    Die schlechten Zeiten werden weichen,
    ein Onkel kommt auf Staatsbesuch.
    Dann wird er ihm auch Futter reichen.
    Es nagt nicht mehr am Hungertuch.

    Die großen und die kleinen Münzen,
    die geben sich ein Stell-dich-ein.
    Das Kapital bringt keine Zinsen.
    Da nutzt auch kein Fünf-Euro-Schein.

    Das fette Sparschwein wird geschlachtet,
    und es verliert dabei den Kopf.
    Dann wird das Sammelgut betrachtet.
    Darunter ist ein Hosenknopf.

    Viel zu viel

    Ein Affe hat zuviel gefeiert.
    Nun schaut er dumm aus seiner Haut.
    Sein Blick ist glasig und verschleiert.
    Verärgert zeigt sich seine Braut.

    Er ist versumpft mit Zechkumpanen.
    Die Stimmung stieg mit jedem Glas.
    Der Absturz war vorherzuahnen.
    Das Schädelweh folgt auf den Spaß.

    Wer einen Affen hat, der leidet.
    Die Stunden werden ihm zur Qual.
    Dann denkt er nach und er entscheidet:
    Der Alkohol, der kann mich mal.

    Da staunt sein flottes Frauenzimmer.
    Sie hört es gern, jedoch sie glaubt,
    wahrscheinlich bleibt es so wie immer.
    Sein Vorsatz ist zu hoch geschraubt.

    Der Affe meidet Bierspelunken.
    Und er besucht die Konkurrenz.
    Dort wird nur Tee und Saft getrunken.
    Bekömmlich ist die Abstinenz.

    Zwei Ochsen

    Zwei Ochsen ziehen einen Wagen.
    Sie stöhnen unter ihrem Joch.
    Und wollen ihrem Dienst entsagen.
    Die Arbeit quält sie, noch und noch.

    Sie sind schon im gesetzten Alter,
    von Altersrente keine Spur.
    Im Gegenteil der Gutsverwalter
    ist gnadenlos, rund um die Uhr.

    Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen.
    Sie hören nie ein gutes Wort.
    Sie schuften täglich wie besessen,
    und größtenteils noch im Akkord.

    Am Abend sind sie ausgepowert.
    Das starre Strohbett wartet schon.
    Und keine Sau, die sie bedauert.
    Sie ernten einen Hungerlohn.

    Geschmiedet werden Rachepläne.
    Die Phantasie schweift kreuz und quer.
    Gedanklich zeigen sie die Zähne,
    und setzen sich gekonnt zur Wehr.

    Selbst die Gewerkschaft muss hier passen,
    obwohl sie das nicht glauben mag.
    Der Gutsbesitzer, nicht zu fassen,
    schert aus, aus dem Tarifvertrag.

    Ein Drachen

    Ein Drachen tobt am Arbeitsplatz.
    Er möchte uns das Fürchten lehren.
    Er flucht und schimpft in jedem Satz.
    Wir werden uns beim Chef beschweren.

    Sein Auftritt: äußerst furchterregend.
    Er mischt sich in Gespräche ein.
    Er ist der Abschaum dieser Gegend.
    Und wenn er faucht, wird er gemein.

    Das Schlechte ist in ihm vereinigt,
    man zittert, wenn er Feuer speit,
    dann wird dem Ungetüm bescheinigt:
    Er sei ein Ausgeburt der Zeit.

    Er schnaubt gehässig, wenn wir sprechen.
    Gefürchtet ist sein Lachanfall.
    Das ist zwar kein Gewaltverbrechen.
    Jedoch es stört uns überall.

    Wir sollten uns zusammenschließen.
    Der Drachen steigert nur den Stress.
    Wir machen, vor dem Tränenfließen,
    dem Ungeheuer den Prozess.

    Ein Rhinozeros

    „Wir bauen uns ein Märchenschloss,
    umringt von einem Wassergraben.“
    Verkündet ein Rhinozeros,
    „damit wir endlich Ruhe haben.

    Geschützt sind wir vor jedem Feind.
    Vergeblich handelt sein Bemühen.
    Und weil es aussichtslos erscheint,
    wird er entnervt von dannen ziehen.

    Wir leben auf, das macht uns stark.
    Die Kinder können sich entfalten.
    Wir sind im höchsten Grad autark.
    Die Zukunft können wir gestalten.

    Gut abgeschirmt verpufft der Plan,
    uns hämisch in die Knie zu zwingen.
    Ein Widersacher schärft den Zahn,
    sein Kampfeinsatz wird ihm misslingen.“

    Sein Eheweib, selbst ein Koloss,
    verweigert sich und mahnt bescheiden.
    „Vergiss den Traum vom Märchenschloss,
    und hilf beim Essenzubereiten.“

    Ein alter Fuchs

    Ein alter Fuchs erklärt den Kleinen:
    „Ich hoffe, ihr vergesst es nie.
    Die Sonne wird wohl ewig scheinen
    und liefert täglich Energie.

    Am Meer bläst eine steife Brise.
    Sogar im Flachland weht der Wind.
    Ein Windpark wächst auf einer Wiese,
    erfreut ist jedes Menschenkind.

    Es wandert eine grüne Masse,
    gehäckselt wurde Mais und Gras.
    Schon ist ein Landwirt gut bei Kasse.
    Das Endprodukt ist Biogas.

    Jedoch mit Öl ist nicht zu spaßen.
    Es ächzt und stöhnt das weite Meer.
    Bald sind die Wassereinbahnstraßen,
    vom Fisch befreit und Plankton-leer.

    Die Pfoten weg von Kernkraftwerken.
    Misshandelt bitte kein Atom.
    Als letztes wäre anzumerken:
    Erneuerbar sei jeder Strom.“

    Es war einmal

    Es lebte einst ein Krokodil
    am längsten Strom von Afrika.
    Das Jagen war ein Kinderspiel.
    Die Beute, stets zum Greifen nah.

    Oft kamen Freunde zu Besuch,
    dann wurde festlich aufgetischt.
    Man ‚fütterte‘ das Gästebuch.
    Das Früher wurde aufgefrischt.

    Die Lebensfreude hat getagt.
    Man kannte weder Streit noch Zank.
    Die Mühsal hatte nie geplagt.
    Und Allah galt der Erntedank.

    Die Schere zwischen arm und reich,
    fand keinen Platz im Wüstensand.
    Der Wohlstand war für alle gleich.
    Das Münzen-zählen: unbekannt.

    Doch Herrscher bauten einen Damm.
    Das Wasser wurde aufgestaut.
    Die Raffgier kämpfte um den Schlamm.
    Gebietsansprüche wurden laut.

    Nun ist das Paradies zerstört,
    mit ihm ein guter Lebensstil.
    Ein weiter Landstrich ist empört,
    darunter auch das Krokodil.

    Schwere Lasten

    Ein Dromedar schleppt schwere Lasten.
    Es kennt sich in der Wüste aus.
    Und wenn sie in Oasen rasten,
    dann denkt es an sein Elternhaus.

    Es pflückt die Datteln von den Palmen.
    Geschätzt wird dieser Hochgenuss.
    Es surt dabei die alten Psalmen,
    und frisst sich satt am Überfluss.

    Im Schatten sitzt sein Beduine.
    Er rechnet hoch und ihm ist klar.
    Ich freue mich, dass ich verdiene
    mit diesem Lasten-Dromedar.

    Dann zieht die Karawane weiter.
    Und dabei schwankt das Wüstenschiff.
    Der Himmel lächelt und ist heiter.
    Man hat die Wüste voll im Griff.

    Nach vielen Nacht- und Tagesreisen
    ist man erschöpft, jedoch am Ziel.
    Dann wird man Allah, Dank erweisen.
    Er hatte seine Hand im Spiel.

    Wattewolken

    Ein Vogel fliegt durch Wattewolken.
    Sein Reiseziel: Ein ferner Stern.
    Die Welt kann seinen Flug verfolgen.
    Zum Sponsor wird ein Bierkonzern.

    Bald wird die Schwerkraft überwunden.
    Die Luft ist leider dünn gesät.
    Ein Ausweg wird sehr schnell gefunden.
    Er greift zum Sauerstoffgerät.

    Die Welt nimmt teil am Abenteuer.
    Per Handy wird er interviewt.
    Er ist entflammt und voller Feuer.
    Und jeder hört: Es geht ihm gut.

    Von ihm zu schreiben, kommt in Mode.
    Beflügelt wird ein Journalist.
    Sein Wortspiel: eine Anekdote.
    Und es erklärt, was Sache ist.

    Der Vogel hofft, es wird sich lohnen.
    Sein Traum im Weltall: meilenfern.
    Man schätzt es ab, es sind Millionen,
    erst dann erreicht er seinen Stern.

    Ein Warzenschwein

    Ein pubertäres Warzenschwein
    plagt sich mit schwerem Liebeskummer.
    Ein Anruf bringt ihm gar nichts ein:
    „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

    Mein Finger hat sich wohl vertippt.
    Es wählt erneut, es ist zum Schreien.
    Das gleiche Spiel, die Stimmung kippt.
    Und jedes Schimpfwort kann gedeihen.

    Nun wühlt es im Gedanken-Sumpf.
    Und es empfindet tiefe Trauer.
    Man sagt, das Herz sei immer Trumpf.
    Kein Mensch wird aus den Sprüchen schlauer.

    Wo finde ich mein bestes Stück?
    Denn ohne sie will ich nicht leben.
    Sie ist mein Alles und mein Glück.
    Mit ihr will ich zum Himmel schweben.

    Es sucht und sucht. Es überwacht
    den Funkverkehr. Das ist ihm peinlich.
    Das Warzenschwein hegt den Verdacht,
    ein Treffer äußerst unwahrscheinlich.

    Ein Mastschwein

    Der Bauer will sein Mastschwein schlachten.
    Die fette Sau ist ahnungslos.
    Er will ihr nach dem Leben trachten.
    Ein Bolzen bringt den Gnadenstoß.

    Er wetzt die abgestumpften Messer.
    Am Schlachttag sind sie sehr gefragt.
    Gewürfelt wird der Allesfresser.
    Die Knochen werden abgenagt.

    Das geht dem Prachtstück an die Nieren.
    Es bettet sich im weichen Stroh.
    Bald wird es seinen Kopf verlieren.
    Sein Dasein wird zum Risiko.

    Es würde gerne Leine ziehen.
    Jedoch der Riegel fällt ins Schloss.
    Man hindert es daran zu fliehen.
    Und das bekümmert den Koloss.

    Der Bauer bläst nun zur Attacke.
    Dadurch erlischt sein Lebensgeist.
    Der Holzgrill gart die Schweinebacke,
    und die wird scharf gewürzt verspeist.

    Am Südpol

    Am Südpol trägt ein Volk Krawatte,
    und bügelt täglich seinen Frack.
    Die Fliege steht nicht zur Debatte,
    denn sie empört den Zeitgeschmack.

    Von klein an impft man Pinguine.
    Die Propaganda wahrt den Schein.
    Krawatte trägt die Bretterbühne.
    Und jeder stimmt sich darauf ein.

    Nur ein paar pubertäre Knaben
    entschließen sich zum Widerstand.
    Doch weil sie keinen Rückhalt haben,
    erklärt man sie für hirnverbrannt.

    Das stört sie nicht, sie revoluzzen.
    Und untergraben die Moral.
    Und weil sie frech ihr Nest beschmutzen,
    zürnt jeder, das ist ein Skandal.

    Man watschelt heute oben ohne.
    Der Hals wird nicht mehr eingeengt.
    Die meisten juckt das nicht die Bohne,
    weil keiner an die Bräuche denkt.

    Und wer vorbeikommt, könnte sehen:
    Krawatten, Fliegen sind verpönt.
    Ein Pinguin gibt zu verstehen,
    das haben wir uns abgewöhnt.

    Der Uhu

    Der Uhu sucht die Lesebrille.
    Die Tageszeitung: klein-gedruckt.
    Er schaut sich um in aller Stille,
    weil es in seinen Flügeln juckt.

    Nun schmiedet er Durchsuchungspläne.
    Und forscht zunächst im Wohnbereich.
    Der Misserfolg zeigt seine Zähne,
    und sein Gesicht wird kreidebleich.

    Durchforstet werden Nachbaräste.
    Das ist bestimmt nicht hirnverbrannt.
    Er fragt geduldig Vogelgäste,
    doch das verlief bisher im Sand.

    Er weiß nicht ein, und weiß nicht weiter.
    Zu Ende ist sein Schullatein.
    Denn alles was er tut ist leider,
    ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Die Hoffnung wird zu einer Phrase.
    Doch leer: das Brillenetui.
    Das Prachtstück sitzt auf seiner Nase,
    und jedes Auge führt Regie.

    Urlaubspläne

    Ein Elefant hat Urlaubspläne.
    Er träumt sich an das Mittelmeer.
    Sein holdes Weib macht eine Szene.
    Die Argumente wiegen schwer.

    „Dein guter Geist hat dich verlassen.
    Und was du vorhast: Ein Skandal.
    Die Unvernunft lässt sich nicht fassen,
    dir fehlt vor allem: Kapital.

    Du willst doch nicht die Zeche prellen.
    Ein Elefant steht in der Pflicht.
    Du darfst dich nicht ins Abseits stellen.
    Denn sonst verlierst du dein Gesicht.“

    „Dein Einwand, aus der Luft gegriffen.
    Sei bitte fair und lass es sein.
    Ich sehne mich nach Segelschiffen.
    Mein Kapital heißt Elfenbein.“

    Ein Vogel

    Ein Vogel hat die Hitze satt.
    Er duscht fast stündlich sein Gefieder.
    Der Asphalt in der Innenstadt
    erhitzt den Geist und die Gemüter.

    Vor Jahren hat er groß geschwärmt
    von Stadtluft und von Imbiss-Bude.
    Ihm war egal, dass es laut lärmt.
    In allem sah er nur das Gute.

    Doch heute ist er abgeklärt.
    Er kennt die Schattenseiten,
    und vieles ist nicht liebenswert.
    Um einen Big Mäc muss er streiten.

    Er sehnt sich in sein Vaterhaus.
    Mit keinem hat er das besprochen.
    Er weiß nicht ein, er weiß nicht aus.
    Denn der Kontakt ist abgebrochen.

    Fern von daheim, entsteht kein Glück.
    Er möchte wieder zu sich kommen.
    Er fliegt den weiten Weg zurück.
    Dort wird er herzlich aufgenommen.

    Die Wespe

    Die Wespe sucht nach Leckerbissen.
    Der Misserfolg wird garantiert.
    Denn Bienen haben dienstbeflissen,
    den süßen Nektar einkassiert.

    Nun stürzt sie sich auf Limonade,
    auf Coca-Cola eisgekühlt.
    Sie wird verscheucht, und das ist schade.
    Oft wird ihr übel mitgespielt.

    Sie lässt sich aber nicht beirren
    und hält an ihren Plänen fest.
    Sie wird zu Futterplätzen schwirren.
    Doch Regen zwingt zum Hausarrest.

    Ihr Optimismus schlägt ins Leere.
    Die süße Nahrung: abgeräumt.
    Nun überdenkt sie die Misere.
    Für heute hat sie ausgeträumt.

    Ein Esel

    Ein Esel hat die Faxen satt.
    Man will ihn hintergehen.
    Der Vorgang findet täglich statt.
    Er kann es nicht verstehen.

    Gefühle hat man vorgespielt
    und auf ihm rumgetrampelt.
    Das hat ihn tierisch aufgewühlt.
    Er hat sich frei gestrampelt.

    Er pfeift auf jeden Liebesschwur.
    Das führt zu Sorgenfalten.
    Er blökt: Iah, und möchte nur
    sich selber schadlos halten.

    Er ist allein und unbeweibt.
    Er möchte sich gern binden.
    Und wenn er sein Gefühl beschreibt,
    wird er den Himmel finden.

    Es liegt ihm nichts an Gut und Geld.
    Das kann er leicht verschmerzen.
    Er träumt von einer heilen Welt,
    und das geht ihm zu Herzen.

    Der Gockel

    Der Gockel herrscht im Hühnerstall.
    Die Hennen sind die Untertanen.
    Sie fügen sich in jedem Fall,
    und würden nie den Umsturz planen.

    Gemeinsam gackern sie im Chor,
    teils angepasst und teils verwegen.
    Doch manche möchten, das kommt vor,
    dem Hoftyrann das Handwerk legen.

    Wie aus dem Nichts entstand Revolte.
    Auf Transparenten thront der Satz.
    Dass er sich schleunigst ändern sollte.
    Sonst wäre er nur fehl am Platz.

    Man forderte geheime Wahlen.
    Denn schließlich sei man Demokrat.
    Dann kürten sie, und sie empfahlen,
    ein Huhn zum Spitzenkandidat.

    Es kam zur Wahl und zur Entscheidung.
    Die Mehrheit kreuzte diesen Hahn.
    Und tags darauf stand in der Zeitung:
    Es gilt der alte Legeplan.

    Ein Spatz

    Ein Spatz sitzt in der Regenrinne.
    Es flutet der Berufsverkehr.
    Der Krach umnebelt seine Sinne.
    Er ist genervt und leidet sehr.

    Die laute Rost- und Blechlawine
    geht ihm gehörig auf den Geist.
    Das stresst tagtäglich seine Miene.
    Wie selbst sein Spiegelbild beweist.

    Ob Ampeln oder Zebrastreifen
    die Luftverpester nehmen zu.
    Dort quietschen laut die Autoreifen.
    Die Fahrer kennen kein Tabu.

    Der Spatz will seine Ohren schützen.
    Denn er befürchtet, das macht krank.
    Er denkt zunächst an Pudelmützen,
    ein Mundschutz stoppt Benzin-Gestank.

    Er flattert in die Apotheke.
    Dort liegt ein Mundschutz griffbereit.
    Er wandert weiter seiner Wege.
    (Für Ohrenschützer wird er fündig,
    wenn es aus allen Wolken schneit.)

    Urlaubsreise

    Ein Elefant geht auf die Reise.
    Den Alltagstrott lässt er zurück.
    Besonnen zieht er seine Kreise
    und in der Ferne winkt das Glück.

    Ihn lähmt nicht mehr der Streit von gestern.
    Das Thema hat er abgehakt.
    Es gäbe Gründe laut zu lästern.
    Doch jedes Schimpfwort wird verjagt.

    Er widmet sich bewusst dem Schönen.
    Den Frohsinn hat er im Visier.
    Und daran will er sich gewöhnen.
    Der Himmel öffnet ihm die Tür.

    Es wäre Zeit, um heimzukehren.
    Doch plötzlich fasst er den Entschluss,
    sich in der Fremde zu ernähren,
    als Zugtier für den Linienbus.

    Vereitelt werden seine Pläne.
    Nun lächeln manche schadenfroh.
    Dann setzt er sich gekonnt in Szene,
    und heuert an in einem Zoo.

    Zu verkaufen

    Schmetterlinge zu verkaufen.
    Gut genährt und pflegeleicht.
    Und mein Herz: ein Scherbenhaufen.
    Die Gefühle: aufgeweicht.

    Kostengünstig abzugeben.
    Gut gepflegt: aus erster Hand.
    Sie verschönen jedes Leben.
    Nebenwirkung: unbekannt.

    Nicht mehr jung, doch baucherfahren.
    Sturmerprobt und stressgewohnt.
    In den zähen Ehejahren
    haben sie sich nie geschont.

    Heute sind wir längst geschieden.
    Und sie stehen auf dem Schlauch.
    Schenke ihnen Seelenfrieden,
    und sie kribbeln dir den Bauch.

    Ein Känguru

    Es gäbe vieles zu berichten
    von einem flotten Känguru.
    Zum Beispiel seine Herzgeschichten,
    doch diese Themen sind tabu.

    Die große Liebe kam abhanden.
    Sechs Jahre war sie zu Besuch.
    Dann war das Thema ausgestanden.
    So schreibt ein Blatt im Tagebuch.

    Und folglich holpern Glücksgefühle.
    Kommt einer seinem Herzen nah,
    Dann flüchtet es in Rollenspiele.
    Und das Gespräch: Ein bla-bla-bla.

    Doch gestern fiel es aus den Wolken.
    Noch heute schmerzt sein Hinterteil.
    Und dieser Aufprall hatte Folgen,
    getroffen hatte Amor’s Pfeil.

    In die Jahre

    Ein Elefant kommt in die Jahre.
    Der dichte Dschungel schaut ihm zu.
    Gefragt ist alles Wunderbare
    und eine Elefantenkuh.

    Er träumt und schmiedet Zukunftspläne.
    Die Wirklichkeit holt ihn zurück.
    Und viel zu oft, kränkt die Migräne.
    Das fördert nicht sein Lebensglück.

    Er flüchtet in das Land der Träume.
    Dort werden seine Wünsche wahr.
    ‚Ich liebe dich.‘ schnitzt er in Bäume.
    An wen er denkt, ist keinem klar.

    Dann wacht er auf, und führt die Herde,
    durch Niemandsland zum nächsten Fluss.
    Und alle folgen seiner Fährte.
    Er erntet mehr als einen Kuss.

    Sofort erwachen die Gefühle.
    Es kribbelt bis ins Elfenbein.
    Urplötzlich warten neue Ziele.
    Er will nicht länger einsam sein.

    In Schwierigkeiten

    Die Spitzmaus steckt in Schwierigkeiten.
    Ihr Freund schrieb einen Abschieds-Brief.
    Statt Liebe blühen Schattenseiten,
    und bunte Träume laufen schief.

    Sie möchte ihn zurückgewinnen.
    Gedanken drehen sich im Kreis.
    Dem Schicksal kann sie nicht entrinnen.
    Ihr Aufenthalt: Ein Abstellgleis.

    Sie würde liebend gern erfahren,
    was ihn bedrückt, und ihn bewegt.
    Sie kennen sich seit ein paar Jahren
    gemeinsam wurde Glück gepflegt.

    Nun ist die Liebe stark verwildert.
    Das Unkraut nimmt schon überhand.
    Und wenn sie ihren Zustand schildert,
    gerät sie außer Rand und Band.

    Noch keimt die Hoffnung, tief im Herzen.
    Doch morgen herrscht ein Parkverbot.
    Es gibt so vieles zu verschmerzen,
    wenn ein Gefühl zu kentern droht.

    Ein Maulwurf

    Ein Maulwurf lebt im Untergrund.
    Dort kommt er in die Gänge.
    Er stößt sich nicht die Ohren wund,
    an einem Bohrgestänge.

    Er legt viel Wert auf Handarbeit.
    Sein ganzer Stolz: Sein Stollen.
    Dass es gelingt, das kostet Zeit.
    Nun schöpft er aus dem Vollen.

    Sein Vater hat ihm beigebracht,
    zunächst im kleinen Rahmen,
    wie man das Baggern richtig macht.
    Sein Ziel: ihm nachzuahmen.

    Gewissenhaft pflegt er den Brauch.
    Jetzt ist er selbst ein Meister.
    Doch manchmal steht er auf dem Schlauch,
    dann denkt er: Scheibenkleister.

    Er buddelt stolz und selbstbewusst,
    und das verleiht ihm Flügel.
    Im Garten hat man selten Lust
    auf große Maulwurfshügel.

    Ein Kater

    Ein Kater findet keine Katze.
    Er schnurrt allein auf der Matratze.
    Und träumt von Liebe und von Lust.
    Doch wenn er aufwacht, schiebt er Frust.

    Sein Spiegel sagt: Du bist nicht hässlich.
    Und dein Charakter ist verlässlich.
    Es fehlt dir nicht an Sachverstand.
    Nur selten bist du hirnverbrannt.

    Legst du dein Können auf die Waage.
    Dann stellt sich keine Zwischenfrage.
    Und jeder spürt, was in dir steckt.
    Du zeigst Humor und Intellekt.

    Und dennoch hast du Herzprobleme.
    Dein Jahrgang rät zur Faltencreme.
    Du weigerst dich und lässt es sein.
    Auf diesen Deal fällst du nicht rein.

    Ein Kater findet keine Katze.
    Er schnurrt allein auf der Matratze.
    Nun schreibt er in sein Tagebuch:
    Geplant ist ein Bordell-Besuch.

    Das Vogelhaus

    Das Vogelhaus in der Allee
    sucht einen neuen Pächter.
    Die Mannschaft geht nun auf Tournee,
    sogar der Sittenwächter.

    Ein guter Zustand wird verbrieft.
    Der Schmutz ist Mangelware.
    Und wer sich gern in sich vertieft,
    dem winkt das Wunderbare.

    Du fragst vielleicht, was führt euch fort.
    Wir müssen Geld verdienen.
    Das Ziel ist ein Touristenort
    mit braun gebrannten Mienen.

    Du weißt, dass bald der Vorhang fällt.
    Dann lautet die Devise.
    Wir suchen unsre heile Welt
    und keine Seelenkrise.

    Gering bemessen ist die Pacht.
    Es purzeln hohe Preise.
    Ein Handschlag: Es ist abgemacht.
    Bald gehen wir auf Reise.

    Der kranke Frosch

    Man stellt den Himmel oft in Frage.
    Dasselbe macht ein kranker Frosch.
    Er ist bekümmert alle Tage,
    weil jede Flamme jäh erlosch.

    Umsonst ruft er nach Gottes Güte.
    Sein Glück verliert bald sein Gesicht.
    Er ist enttäuscht und lebensmüde.
    Und an ein Wunder glaubt er nicht.

    Die schnöde Welt hat ihn betrogen.
    Er kennt und kannte nur das Pech.
    Dem Mitleid hat er sich entzogen.
    Bei jeder Weisheit lacht er frech.

    Gepeinigt von dem Schicksalsfaden,
    gebeutelt von dem Vakuum,
    beginnt er nun, sich selbst zu schaden.
    Sein letzter Schritt: Er bringt sich um.

    Auf einer Wiese

    Ein Esel und ein junges Fohlen
    vergnügen sich auf einer Wiese.
    Sie rechnen hoch. Und unverhohlen
    beäugt sie lächelnd Adam Riese.

    Am Abend zählen sie die Sterne.
    Und es vergehen traute Stunden.
    Es flackert fern die Hoflaterne.
    Und dennoch wird ein Traum gefunden.

    Am Morgen sind sie ausgemüdet.
    Sie kommen langsam in die Gänge.
    Ein neuer Tag wird ausgebrütet.
    Sie sind auf gleicher Wellenlänge.

    Sie lieben es, sich zu vertragen.
    Und sind sich einig ohne Ende.
    Und keiner darf das hinterfragen.
    Doch wie sie leben, das spricht Bände.

    Den Partner will man nicht mehr missen.
    Sie grasen auf der Blumenweide.
    Und schnappen sich die Leckerbissen.
    Man zeigt die Schokoladenseite.

    Die Schlange

    Die Schlange giftet ohne Gnade.
    Sie schnappt sich eine Wiesenmaus.
    Die denkt: „Das ist doch jammerschade,
    nun ist der Ofen leider aus.“

    Sie schlängelt weiter durch die Wiesen.
    Und manchmal fährt sie aus der Haut.
    Aus ihrem Outfit lässt sich schließen,
    die Mode ist ihr voll vertraut.

    Sie fühlt sich wohl. Die Schlangenbisse
    sind Wegbegleiter in der Nacht.
    Sie hasst die faulen Kompromisse.
    Und Mitleid ist nicht angebracht.

    Im Dunkel findet sie die Beute.
    Ihr Wärmesensor garantiert:
    ‚Durch mich erfährst du Lebensfreude.‘
    Das hat die Schlange längst kapiert.

    Am Badestrand

    Die Hennen zieht es in den Süden.
    Der Hahn bewacht den Hühnerstall.
    Er will nicht in der Hitze brüten.
    Das Mittelmeer ist nicht sein Fall.

    Und während sich die Hennen bräunen
    am weltbekannten Sonnengrill,
    pflegt er durch seinen Hof zu streunen.
    Er kräht nicht und bleibt schnabelstill.

    Sein Hühnervolk kann ihn nicht hören.
    Und zwecklos wäre der Radau.
    Er würde nur die Ruhe stören.
    Da macht er lieber Nabelschau.

    Die Hennen schreiben Ansichtskarten.
    So ist der Gockel gut im Bild.
    Doch langsam fängt er an zu warten,
    weil niemand seine Sehnsucht stillt.

    Bepackt mit ihren Siebensachen
    verlässt das Volk den Badestrand,
    um sich auf ihren Weg zu machen.
    Die Hühnerhaut ist braun gebrannt.

    Ein alter Esel

    Ein alter Esel ist verliebt
    in eine junge Eseldame.
    Die Zweifel, die er von sich schiebt,
    bewirkt dann die Kontaktaufnahme.

    Er fällt nicht mit der Tür ins Haus,
    doch er erliegt schnell ihren Reizen.
    Und hofft mit einem Blumenstrauß
    Die gute Stimmung anzuheizen.

    Die Eseldame ist entzückt.
    Sie kann nicht länger an sich halten.
    Und sie erklärt ihn für verrückt.
    Ein Schmetterling kann sich entfalten.

    Und dadurch kommen sie sich nah.
    Es wächst allmählich das Vertrauen.
    Was in der letzten Nacht geschah,
    lädt lächelnd ein zum Brückenbauen.

    Der alte Esel wird nicht jung.
    Doch süßes Glück hat er erfahren.
    Nun schwelgt er in Erinnerung,
    wie einst in pubertären Jahren.

    Die Raben

    Die Weisheit ist ein Steckenpferd
    bei allen flüggen Raben.
    Die Kinder werden nur belehrt,
    wenn sie Probleme haben.

    Ihr Schulsystem ist ausgereift.
    Es zwingt zu kleinen Klassen.
    Und wenn ein Schüler nicht begreift,
    gibt es kein ‚hängen lassen‘.

    Bestätigt wird die Theorie
    sogar beim Schulanfänger.
    Die wenigsten sind ein Genie,
    die meisten brauchen länger.

    In Schulen herrscht ein guter Geist.
    Und bald sind alle flügge.
    Geschlossen wird, was jeder preist,
    selbst die Gedächtnislücke.

    Ein ‚Sonderschüler‘ feiert krank.
    Er wird kein Musterknabe.
    Denn seine Nerven liegen blank.
    Er dient als Unglücksrabe.

    Ein Zitronenfalter

    Eine Blume wohnt versteckt.
    Keiner kennt ihr Alter.
    Schließlich wurde sie entdeckt
    vom Zitronenfalter.

    Sätze stellt man in den Raum.
    Jeder will berichten.
    Und man spricht von seinem Traum
    und von Herzgeschichten.

    Es ist wie im Treppenhaus,

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